Tod

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T O D
Besieger von Königreichen
Verschlucker von Ozeanen
Dieb der Jahre
Die letzte Realität
Ernter der Menschheit
Der Assassine-gegen-den-kein-Riegel-hilft
Einziger Freund und bester Arzt der tödlich Verletzten

Fast das älteste Geschöpf im Multiversum.
Vorher mußte natürlich erst etwas sterben.



Er ist ein gut zwei Meter hohes Skelett aus blankpolierten Knochen, in seinen Augenhöhlen glänzen (für gewöhnlich blaue) Lichtpunkte. Normalerweise trägt er eine Kutte aus absoluter Dunkelheit, gelegentlich auch einen Reitmantel mit einer silbernen Brosche, die sein persönliches Monogramm trägt, das unendliche Omega. Ein spezieller, nicht ungedingt unangenehmer Geruch geht von ihm aus und erinnert an alte, vergessene Zimmer.

Sein Gesicht - in einem lippenlosen Grinsen erstarrt.

Seine Stimme - man hört sie nicht in dem Sinne, man fühlt sie eher. Es gibt viele Beschreibungen für die Stimme des Todes, man werfe dazu einen Blick in die Seite
"Sprache der Bilder". Das Auffälligste aber an seiner Stimme ist, daß er in GROSSBUCHSTABEN redet.

Sehen können den Tod nur Katzen, professionelle Anwender von Magie und Leute, die entweder sterben oder bereits tot sind. Es gibt Anzeichen dafür, daß er manchmal auch von Personen wahrgenommen wird, deren Bewußtseinszustand die Bezeichnung "erweitert" verdient - was bei den besonderen Umständen auf der Scheibenwelt nicht sehr ungewöhnlich ist. Wenn Tod mit den Lebenden kommunizieren muß (d.h. mit Leuten, die weiterhin lebendig bleiben), sieht man ihn auf eine Weise, die den Betreffenden nicht beunruhigt. Früher hat er versucht, sich dem Klienten in der erwarteten Gestalt zu präsentieren (z.B. als Mistkäfer, schwarzer Drache usw.), aber er stellte diese Experimente schon nach kurzer Zeit ein. Es rechnet ohnehin niemand mit seinem eigenen Tod, und deshalb sah Tod keinen Grund, nicht beim üblichen schwarzen Kapuzenmantel zu bleiben.



Sein hauptsächliches Arbeitsgerät ist die Sense. Sie sieht ganz normal aus - bis auf die Klinge. Sie ist so dünn, daß man hindurchblicken kann, sie besteht praktisch nur aus einem hellblauen Schimmern. Sie teilt Flammen in zwei Stücke, zertrennt unvorsichtige Luftbewegungen und hackt Geräusche und Worte in einzelne Silben und Laute. Außerdem verfügt Tod über ein Schwert, das ebenso dünn ist, und das zum Durchtrennen Verbindung zwishen Seele und Körper dient.





Sein Pferd ist so weiß, wie es die Tradition verlangt, aber es lebt und heißt Binky.

Tod hatte es einmal mit einem knöchernen Roß probiert, nachdem er einen entsprechenden Holzschnitt betrachtet hatte (von solchen Dingen läßt er sich leicht beeinflussen). Doch er mußte zu oft anhalten, um abgefallene Teile mit Draht und Bindfäden wieder zu befestigen. Er ritt auch ein Feuerpferd, aber nur für kurze Zeit, da es die Ställe in Brand setzte.





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Tod ist nicht grausam, obwohl verschiedene Gerüchte etwas anderes behaupten. Er beweist nur ein hohes Maß an Kompetenz bei seiner Arbeit. Es heißt, daßer nie zornig wird; Zorn ist ein Gefühl, und Gefühle erfordern Drüsen. Wie dem auch sei: Er scheint zumindest zu einer Art intellektueller Mißbilligung fähig zu sein. Als Taditionalist ist er stolz auf seinen persönlichen Dienst und kann trotz fehlender Drüsen deprimiert sein, wenn den erbrachten Leistungen die Anerkennung versagt bleibt.

Verschiedene Indizien sprechen dafür, daß er auf unserer Seite steht.

Das menschliche Wesen fasziniert Tod. Besonders interessiert er sich für die erstaunliche Fähigkeit des Menschen, eine Existenz unnötig kompliziert zu gestalten, die aus seiner Sicht recht schnell endet. Er versucht intensiv mit logischer Deduktion herauszufinden, was die Menschheit für selbstverständlich hält, dabei entwickelte er gewisse Vorlieben. So hat er Katzen gern und mag Scharfes (was sich nicht nur auf die Sense bezieht). Er scheiterte in dem Bemühen, Banjo zu spielen - für etwas Lebendiges wie Musik fehlt es ihm einfach an Talent.
Auch versuchte er sich am Angeln, als er nach Möglichkeiten suchte, sich zu vergnügen. Er hatte gehört, daß Angeln Spaß macht. Er erfand dazu "Tods Ruhm", eine außerordentlich effektive Trockenfliege. Er wußte allerdings nicht, daß Angler wie tot sind und den zusätzlichen Nachteil haben, dies ganz bewußt zu erleben.

Tod ist Grundbesitzer, doch sein Land läßt sich nicht auf einer gewöhnlichen Karte lokalisieren.
Er hat Haus und Garten. Dort gibt es nur schwarze, weiße und viele graue Schattierungen. Zwar kann Tod auch andere Farben sehen, aber sie bleiben für ihn ohne Bedeutung. Da ihm außerdem die echte schöpferische Kraft fehlt - er kann nur Dinge nachahmen -,vergeht in seiner Domäne keine "wahre" Zeit. Was in ihr wirklich lebt, stammt von außerhal, alles andere verharrt in einer sonderbaren Statik, in einem Zustand gesunder Unveränderlichkeit.

Tods Meinung darüber, wie er selbst "leben" sollte, basiert auf der Beobachtung von Menschen, wobei ihm bestimmte Nuancen entgehen.

Im Laufe seines Begleitens von Leben und Sterben auf der Scheibenwelt hat er mehrere Menschen kurz- oder langfristig in sein Haus aufgenommen, die weiter unten näher beschrieben werden.
Hier sei nur eine Art "Familien-Bild" gezeigt. Wir sehen darauf natürlich Tod, dann von links Albert, der Bedienstete auf Tods Anwesen, der in seinem eigentlichen Leben vielleicht noch einige Stunden oder Minuten zu leben hätte und so das "Leben" im Zeitstillstand von Tods Domäne vorzieht, daneben Mort, Susanne, und ich vermute, daß ganz rechts Ysabell abgebildet ist.

 



Betreten wir jedoch jetzt sein Anwesen...

Der Boden, auf dem Tods Haus ruht, schwebt in einer Art Weltraum. Er bietet nichts als Oberfläche - von der Seite betrachtet, hat er keine erkennbare Dicke. Doch wenn man auf ihm geht, fühlt er sich sehr fest und massiv an.

Zerklüftete Berge ragen einem frostkalten Firmament entgegen, an dem spöttische Sterne blitzen - Sterne, die auf keiner Himmelskarte verzeichnet sind. Die Landschaft fällt steil nach unten ab, von wo ein trockener Wind übers eisverkrusete Geröll flüstert.

Er flüstert wirklich. Graue Wirbel zupfen an unserer Kleidung, und wir hören leise Stimmen: "Bist du sicher, daß die Pilze im Eintopf nicht giftig waren? Ich fühle mich so komisch..." Und: "Lehn dich ruhig über die Brüstung und genieß die herrliche Aussicht..." Und: " Mach doch keinen Aufstand, es ist doch bloß ein Kratzer..." Und: "Paß bloß auf, wohin du mit dem Pfeil zielst; du hättest mich fast..." Und so weiter.

Vor uns gähnt ein tiefer Abgrund in Form eines Trichters, der mindestens eine Meile durchmißt. Der flüsternde Wind trägt die Seelen der Toten in die dunkle Kluft, wobei ein dumpfes Murmeln laut wird. Es klingt wie der Atem der Scheibenwelt. Ein schmaler, granitener Steg führt über die gewaltige Öffnung hinweg, und in einer Entfernung von rund dreißig Metern bildet er ein kleines Plateau. Wir bemerken einen Garten mit Gemüse und Blumenbeeten und ein Haus.

Um zum Haus zu gelangen, wandern wir durch ein schwarzes Moor und ein Tor und folgen dann dem Verlauf eines schmalen Pfads. Schließlich erreichen wir ein schwarzes Gebäude, hinter dem sich ein großer Garten erstreckt.

Wir gehen um das Haus herum in den besagten Garten.
Darin gibt es eine unauslotbar tiefe Grube, durch die die Seelen zu ihrem nächsten Ziel reisen. In weiten Bereichen zeigt sich künstlich beschnittenes Baum- und Buschwerk; hinzu kommt ein hübscher Fischteich. Einen guten Hinweis auf Tods fragwürdigen Geschmack bieten die Gartenzwerge: Es sind keine Skelette.
Nicht weit vom Teich entfernt steht ein kleiner Tisch für Vögel, deren Natur Spekulationen überlassen bleibt.
Im Obstgarten wachsen schwarze Früchte an schwarzen Apfelbäumen. Hier stehen Tods Bienenstöcke. Die Bienen sind groß, schwarz und langsam und verstauen schwarzen Honig in blütenweißen Waben. Man fragt sich, wie er schmeckt - und was mit lebenden Personen passiert, die ihn probieren.

Wir gehen wieder vor das Haus.
Den vorderen Rasen ziert eine Sonnenuhr. Sie hat keinen Stab, denn dort verstreicht keine Zeit. Und selbst wenn eine gäbe: Es scheint nie die Sonne. Der Himmel ist nachtschwarz und zeigt hier und dort funkelnde Sterne. Trotzdem gibt es in Tods Anwesen immer genug Licht.
In einem Gemüsegarten wachsen echte Pflanzen, die ihrer Existenz Samen aus der Welt verdanken - und dem Kompost aus den Ställen. Sie sind alle schwarz. Vielleicht haben sie auf der genetischen Ebene begriffen, woran es sich anzupassen gilt. Weite Kornfelder grenzen an den Garten und bringen einen seltsam goldenen Farbtupfer in die allgemeine Düsternis. Anderenorts - sowohl im Haus als auch im Garten - gibt es nur die Farbe, die von den Menschen aus der Welt mitgebracht wurde.

Auf der Seite des Gebäudes reicht ein Hof zu den Ställen, und von dort führt ein mit Fliesen ausgelegter Weg zur Diele des Hauses.

Wir treten nun durch die Vordertür ein.
Man beachte die Fußmatte mit "Willkommen" darauf. Dahinter scheint das Innere des Hauses weitaus mehr Platz zu bieten, als das Äußere vermuten läßt. Immerhin ist es die Domäne des Todes. Banale Dinge wie Ausmaße und dergleichen sind an diesem Ort nicht festgelegt und hängen ganz vom Blickwinkel des Besuchers ab. Außerdem hat niemand Tod gesagt, daß ein Haus innen nicht größer sein kann als außen.

Zeit und Raum mußten sich von ihm nach Belieben manipulieren lassen, durften von ihm keinen Gehorsam verlangen. In diesem Fall bedeutet dies: Die internen Dimensionen des Gebäudes waren ein wenig zu großzügig geraten. Der Durchmesser seines Arbeitszimmers beispielsweise beträgt ca. anderthalb Kilometer, es erstreckt sich allerdings ins Unendliche oder so nah an das Unendliche heran, daß es keinen Unterschied macht.

Wir betreten durch die Tür den Flur.
Das Licht darin stammt von den schmalen, hohen Fenstern, die von schwarzen Vorhängen gesäumt sind. Die üblichen Ziermuster aus Totenschädeln und Knochen zeigen sich an den bogenförmigen Türen. Auf der einen Seite sehen wir einen Schirmständer mit einer Sense darin, der Boden besteht aus schwarzweißen Fliesen.

Weiter vorn führen zwei geschwungene Wendeltreppen zu einem leeren Flur. Dort stecken gelbe Kerzen in Leuchtern an den Wänden. Dieser Korridor gewährt Zugang zum privaten Bereich des Hauses, zu den Schlafzimmern und anderen Räumen.
Ja, Tod hat ein Schlafzimmer in seinem Haus, obwohl er gar nicht schläft. Ein Bad hat er auch. Die sanitären Einrichtungen stammen von einem Klempner aus Ankh-Morpork, denn bei derartigen Installateurarbeiten stößt Tod schon bald an das Hindernis seiner nicht vorhandenen praktischen Begabung: So erfuhr er zu spät, daß Rohre innen hohl sein müssen.
Auf seiner Frisierkommode liegen zwei silberne Haarbürsten und ein kleinr Glasbehälter für Manschettenknöpfe - obgleich er weder Haare noch Manschetten hat.

Doch zurück zum Treppenhaus.
Die Geländer sind mit seltsamen Schnitzereien geschmückt, die man sich besser nicht aus der Nähe ansehen sollte - sie sind schrecklich und absolut geschmackslos. (Bisher hat noch niemand auf der Scheibenwelt Bilder auf schwarzem Samt oder von fröhlichen Hunden, die am Tisch sitzen und es sich schmecken lassen, verkauft. Würde ein Verkäufer an die Tür dieses Hauses klopfen, wäre Tod vermutlich bereit, gleich mehrere solcher Bilder zu kaufen. Es wurde bereits darauf hingewiesen, daß er keinen künstlerischen Geschmack hat. Es ist nicht nur so, daß er keinen Unterschied zwischen der Mona Ogg und der Darstellung von drei fliegenden Enten erkennen kann - für ihn gibt es gar keinen Unterschied. Mit ziemlicher Sicherheit würde er das Bild mit den Enten wählen, weil es freundlicher wirkt - er mag etwsa Leben in seinem Haus.)

Zwischen den beiden Treppen steht eine große Standuhr, bei der zwei Dinge erwähnenswert sind. Erstens hat sie ein sehr langes Pendel mit einem sehr scharfen Gewicht, das die Zeit in kleine Scheiben schneidet, zweitens fehlen der Uhr die Zeiger, da es eigentlich gar nichts zu messen gibt.
Sie erzeugt genau jene Art von Geräusch, die einem mit jedem Tick und jedem Tack eine weitere Lebensekunde raubt. Wenn man vor ihr steht, glaubt man plötzlich, in einem metaphorischen Stundenglas zu stehen und zu spüren, wie der Sand unter den Füßen fortrieselt.

Dann kommt der Durchgang zu den Ställen. Ein zweiter, ähnlich beschaffener Korridor führt zu Tods Arbeitszimmer. Vielleicht durchmißt es tatsächlich anderthalb Kilometer, und möglicherweise verbergen sich seltsame Dinge in den Schatten. Wie dem auch sei: Die restlichen Einrichtungsgegenstände ruhen auf einem quadratischen Teppich, an jender Stelle, die sich mit "das für menschliche Sinne wahrnehmbare Zimmer" beschreiben läßt. Überall stehen große Sanduhren, die auf zu erledigende Arbeit hindeuten, und gelbe, tropfende Kerzen. Abgesehen vom reichverzierten Schreibtisch und dem ledernen Drehstuhl enthält das Zimmer Bücherschränke, Regale mit weiteren Sanduhren, ein großes Pult mit einer Karte sowie einen mit schwarzem Stoff überzogenen Spieltisch. In einer Ecke - und doch im Mittelpunkt des Zimmers - steht ein Modell der Scheibenwelt. Es enthält alle wichtigen Details, bis hin zu vier Elefanten aus Silber, die auf dem Rücken der bronzenen und ein Meter langen Schildkröte Gross-A'Tuin stehen. Dünne Adern aus Jade stellen die Flüsse dar. Die Wüsten bestehen aus Diamantenpulver, und Edelsteine symbolisieren die wichtigsten Städte.

Auf dem zerkratzten Holz des Schreibtisches befinden sich ein großes Hauptbuch, ein Abakus, ein Tintenfaß, ein sensenförmiger Brieföffner und ein seltsames Spielzeug: eine Kugel, die man in Bewegung setzen kann, damit sie an einer Bleiplatte verharrt.
Wenn wir das Zimmer verlassen, bemerken wir Tods Schwert - sein zweites Werkzeug - in einem Gestell an der Tür.

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Im Korridor wenden wir uns nach links und betreten das Zimmer mit den Lebensuhren.

Er ist nach allen Maßstäben groß.
Hier fließt die Zukunft zur Vergangenheit und quetscht sich dabei durch das Nadelöhr des Jetzt
Hier und dort ragen steinerne Säulen mit kantigen Schriftzeichen empor.
In unendliche Fernen erstrecken sich Regale, und das ohrenbetäubende Geräusch rieselnden Sandes durchzieht die Halle. Eigentlich ist es kein Sand in dem Sinne, sondern Sekunden, die das Vielleicht unablässig ins War verwandeln.
Das Geräusch stammt von den Abertausenden von Sanduhren, die auf den zahllosen Regalen stehen.
Wer genau hinhört, kann auch ein gelegentliches "Plopp" und "Pling" vernehmen, wenn leere Lebensuhren verschwinden und neue, gefüllte erscheinen.

Wie alle Wesen hat auch Tod eine Lebensuhr, die Auskunft gibt über die Dauer seiner Existenz. Sie ist schwarz, dünn, ein ganzes Stück größer als normale Lebensuhren und mit einem Muster aus Totenschädeln und Knochen geschmückt.
Sand enthält sie nicht.


Wir kehren in den Flur zurück, um von dort aus die Bibliothek zu betreten. Als wir die Tür öffnen (sie knarrt, obwohl die Angeln keinen Rost angesetzt haben; Tod weiß, wann die Tradition ordentliches Knarren verlangt), weht uns warme Luft entgegen. Man hört leises Kratzen, das aus allen Richtungen zu kommen scheint - als säßen in dieser Kammer Dutzende von Sekretären, die mit Federkielen schreiben. Dies ist das Zimmer der Autobiografien: Jedes Buch schreibt sich selbst, während die betreffende Person ihr Leben lebt.

Durch die hohen Fenster fällt ein wenig Licht, das aber kaum ausreicht, deshalb zünden wir eine Kerze an. Nachdem wir die wacklige Bibliotheksleiter beiseite geschoben haben, erreichen wir eine kleine Nische und treten durch eine weitere Tür. Dahinter führen die Stufen einer steinernen Treppe ins düstere Archiv. Hier lagern mehr als fünfhundert Jahre alte Biografien. In der Kammer ist es so still und finster wie in einer tiefen, unterirdischen Höhle bei Nacht. Zwischen den einzelnen Regalen ist kaum genug Platz, daß eine Person passieren kann, und sie reichen weit empor, verschwinden in der Dunkelheit jenseits des Kerzenscheins. Eine dicke Staubschicht bedeckt den Boden und nimmt unsere Fußabdrücke auf.

Wer auch immer lebte und starb: Hier gibt es Zeugnis von ihm. Wenn man weit genug geht, werden aus den Büchern Schriftrollen, die schließlich erst wächsernen und dann steinernen Tafeln mit Hieroglyphen weichen...

Jetzt gehen wir zurück in den zentralen Flur und zur Küche. Auch dies ist ein kleiner Raum innerhalb einer großen schwarzen Höhle, doch er stellt tatsächlich so etwas wie Wärme und Gemütlichkeit in Aussicht. Pfannen und Töpfe aus Kupfer hängen an einer unsichtbaren Decke. An einer Wand (beziehungsweise der Kante der Finsternis) steht ein großer eiserner Herd. In der Mitte des Zimmers sehen wir einen weißen Tisch mit einigen Stühlen. An einer anderen Wand hängen mehrere kleine Glocken, die mit dem Rest des Hauses verbunden sind.

Eine von ihnen läutet.


Wir sollten jetzt das Haus schnell verlassen...

Aus der Perspektive des gerade Verstorbenen ist die Welt gleichzeitig außerordentlich kompliziert und sehr einfach. Kompliziert deshalb, weil der Tod die Seele von der Zwangsjacke der drei Dimensionen befreit und sie gleichzeitig von der vierten Dimension namens Zeit trennt. So kann man zum Beispiel eine Katze als kleines, verspieltes Kätzchen und als dicke, halb blinde Katzengreisin sehen, mit allen Stadien dazwischen. Dann sieht alles wie eine weiße Karotte aus - diese Beschreibung muß genügen, bis jemand geeignete vierdimensionale Beschreibungen erfindet. (Normalerweise halten die Toten an der normalen temporalen Wahrnehmung fest - diese Angewohnheit gehört zu den stärksten Kräften im Universum.)
Einfach wird alles, weil sofort alle Selbsttäuschungen des Lebens fortgerissen werden. Als Toter sieht man die Welt zum ersten Mal so, wie sie wirklich ist.

Auf der Scheibenwelt herrscht bezüglich des Lebens nach dem Tod ebenso große Uneinigkeit wie anderswo. Manche Religionen legen ihren Anhängern nahe, daß sie als Tote eine große Wüste durch- beziehungsweise ein hohes metaphorisches Gebirge überqueren müssen, um am Ende der mehr oder weniger anstrengenden Reise gerichtet zu werden. Es gibt mehrere Himmel und Höllen. Letztendliches Ziel der Seele ist offenbar der Ort, den der Verstorbene für seine besondere persönliche Situation für angemessen hält. Mit anderen Worten: Wer nicht an irgendeine Art von Fegefeuer glaubt, braucht nach dem Tod auch keine Flammen zu befürchten. Angesichts dieser für manche Leute recht deprimierende Vorstellung sollten sofort alle missionarischen Tätigkeiten eingestellt werden (es sei nochmals auf meine persönliche
Meinung zu diesem Sachverhalt hingewiesen!)
Es läuft auf folgendes heraus: Jeder bekommt das, was er seiner Meinung nach verdient. Das scheint nicht sehr fair zu sein, aber mit der Gerechtigkeit ist das eh so eine Sache. 



Tod kommt in (ich glaube) jedem Scheibenweltroman mehr oder weniger häufig vor. Meist erkennt man bereits an einem freundlichen "HALLO", das klingt, als würden Bleiplatten auf einen Grabstein fallen, daß gerade mal wieder jemand gestorben ist.
Doch in ein paar Büchern spielt Tod eindeutig die Hauptrolle






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