Die Fledermaus

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Wie alle Säugetiere haben sie ein Fell, sind Warmblütler und werden als Jungtiere von Muttermilch ernährt.

Die Tiere sind gekennzeichnet durch eine Flughaut zwischen den sehr verlängerten Fingern (außer dem kurzen, krallenbewehrten Daumen), den Hintergliedmaßen und dem Schwanz. Fledermäuse sind auch lauf- und kletterfähig. Ihre Beine sind allerdings so schwach, dass sie kaum darauf laufen können. Außer zum Fliegen benutzen sie ihre Flügel auch als Decke.

Schlaf

Für den Winter ziehen sich die meisten Fledermäuse höherer Breiten zum Winterschlaf in Schlupfwinkel zurück. Zum Schlafen hängen die Fledermäuse kopfunter an den Zehen. In dieser Haltung können die Krallen nicht abrutschen. Das liegt daran, dass die Krallen durch Sehnen gehalten werden, die sich unter dem Gewicht der Fledermaus strecken. Selbst wenn die Fledermaus einschläft, fällt sie nicht herunter.

Ernährung

Fledermäuse ernähren sich von Insekten, anderen Kleintieren oder von Früchten. Die Zwergfledermaus kann in einer Minute 300 Mücken verspeisen. Fledermäuse, die sich von Früchten ernähren (davon gibt es etwa 130 verschiedene Arten), fliegen am Tag oder in der Dämmerung aus. Die Insekten fressenden Fledermäuse stoßen im Flug hohe, für das menschliche Ohr nicht hörbare Laute aus.

Fledermäuse haben ein feines Fühl- und Hörvermögen 

Das Echo verrät ihnen, was vor ihnen liegt. Besonders die Klein-Fledermäuse senden Ultraschallwellen aus und nehmen das zurückkommende Echo wieder auf (Echolot).

Der Flughund

In Indonesien und Malaysia gilt das Fleisch der Flughunde als Delikatesse.

Dort werden diese verborgen lebenden Tiere mit großen, leuchtenden Augen und hundeähnlichem Gesicht gejagt und gegessen.

Unter den vielen verschiedenen Fledermäusen sind die 173 Arten von Flughunden am faszinierendsten. Da diese Fledermäuse sich von Blüten und Früchten, Nektar und Pollen ernähren, benutzen sie eher ihre scharfen Augen und Nasen, um Nahrung zu finden, als das Gehör und die Echoortung.

Die tropischen Pflanzen der alten Welt sind auf die früchteessenden Fledermäuse für die Verbreitung ihrer Samen und die Befruchtung ihrer Blüten angewiesen. In Westafrika z.B. verbreitet der Palmenflughund die Samen des Iroko-Baumes, der die Grundlage einer Industrie bildet, die einen jährlichen Umsatz von 100 Mio. Dollar aufweist.

Die Flughunde gehen jedoch in ihrer Zahl zurück. Auf vielen Inseln wie Guam, der Mariana-Kette, Yap, Samoa, Rodrigues und den Seychellen sind sie fast verschwunden. Die größte Bedrohung geht für diese Arten von der Zerstörung ihrer Lebensräume durch Landwirtschaft und Brennholz aus. Vor Ort werden keine oder nur wenig Schutzmaßnahmen ergriffen.

... in Glauben und Religion

Im Volksglauben spielen Fledermäuse eine große Rolle, z.B. als Amulett, das kugelfest macht, als Glücksbringer beim Spiel, im Abwehrzauber, so, an Stalltüren geschlagen, gegen Hexen.

In China ist die Fledermaus ein Symbol für Glück und langes Leben. Sie bringt den Menschen fünffachen Segen: Wohlstand, Gesundheit, Tugend, Alter und einen natürlichen Tod. Fu-Xing, der chinesische Gott des Glücks, wird oft als Fledermaus dargestellt. 

Früher glaubte man, Höhlen wären der Eingang zur Welt des nächsten Lebens. Weil Fledermäuse in Höhlen lebten, hielt man sie daher für unsterblich. In England, Australien, Bosnien, in Teilen Afrikas und auf den Tongainseln behandelte man die Fledermäuse als heilige Tiere, weil man sie für die Seelen der Toten hielt. 

erstaunliches: White Lady

Der Forscher Leonard Dubkin schrieb über die Fledermäuse, die er studiert hatte. Eine, die er "White Lady" nannte, flog durch einen Ventilator. Dieser drehte sich mit 800 Umdrehungen pro Minute, doch die Fledermaus kam unverletzt hindurch.

(Fliegende Fledermaus aus RICHARZ, Klaus; LIMBRUNNER, Alfred [1992]: Fledermäuse)

Die Fledermaus-Anatomie

  Junge Zwergfledermaus (vergrößert)

Kopf: Fledermausköpfe sehen oft etwas skurril aus: Die im Verhältnis zur Kopfgröße auffallend großen Ohren – besonders die der "Langohren" –, die kleinen frontständigen Knopfaugen, das grimmige Maul mit den spitzen Zähnen und schließlich die Nase der so treffend bezeichneten "Hufeisennasen" sind allesamt Anpassungen an die Insektenjagd per Echoortung:

  • Die großen Ohren müssen das Echo der Ultraschallrufe auffangen und außerdem das leiseste Krabbeln laufender Insekten wahrnehmen können. Ein senkrechter Zapfen vor der Ohrmuschel, der sog. Tragus, verändert offenbar vorteilhaft das eintreffende akustische Signal.
  • Die kleinen Augen brauchen nicht – wie die großen Eulen- oder Katzenaugen – nachtsichtig zu sein; für die räumliche Orientierung bei Tage reichen sie völlig aus.
  • Das Raubtiergebiß ist genau richtig für Insektenbeute und wird vor allem deshalb dem Tierfotografen so oft gezeigt, weil bis auf die "Hufeisennasen" alle Fledermäuse zur Ultraschallpeilung das Maul öffnen müssen.
  • Die außergewöhnlich geformten Hufeisennasen der gleichnamigen Fledermausarten schließlich ermöglichen ihren Besitzern das Rufen durch die Nasenöffnungen, also bei geschlosenem Maul.

Bleibt noch die Frage, warum manche Arten kleine, andere größere Ohren haben. Zwei Gründe gibt's dafür: Arten, die im kleinräumigen Luftraum geschlossener Vegetation auch auf krabbelnde Beute Jagd machen, müssen ein feineres Gehör und somit größere Ohren haben als reine Luftjäger; und kleine Fledermäuse unter den Jägern im Blattwerk haben vermutlich deshalb dieselbe absolute Ohrgröße wie größere Arten mit denselben Jagdgewohnheiten, weil dieselbe Ohrgröße relativ zu ihrer Körpergröße absolut schon zu klein wäre, um das kleine Krabbeln zu erlauschen.

Arme: Anders als die Vögel, deren Finger zurückgebildet und äußerlich in der Regel nicht mehr sichtbar sind, fliegen Fledertiere mit den Händen. Nur der Daumen hat seine ursprüngliche, kurze Form beibehalten; der zweite Finger besteht nur aus einem Glied, er dritte aus drei Gliedern, der vierte und fünfte Finger jeweils zwei Glieder. Der zweite und fünfte Mittelhandknochen sind stark verlängert, und die Elle (Ulna) ist verloren gegangen, so daß der Unterarm nur noch aus einem Knochen, der Speiche (Radius) besteht.
    Wie bei den Vögeln verrät die Flügelform das Flugvermögen: Lange schmale Flügel sind charakteristisch für schnelle Flieger im offenen Gelände wie den Abendsegler, der leicht 50 km/h erreicht, lange breite Flügel sind typisch für langsame Jäger ebenfalls im freien Luftraum und kurze breite Flügel für die langsameren, wendigeren Flieger in dichterer Vegetation.

Beine: Typisch für Fledertiere ist das Aufhängen mit dem Kopf nach unten: So ist ein schneller Start bzw. eine schnelle Flucht lediglich durch Fallenlassen möglich. Erleichtert wird dies dadurch, daß die Füße nach hinten weisen, nicht nach vorne wie bei den übrigen Säugern. Die Krallen der Füße werden allein durch das Gewicht des Tieres gekrümmt, so daß dieses auch im (Winter-)Schlaf und selbst im Tod hängenbleiben kann. Ein vom Fußgelenk nach innen zum Schwanz hin ragender knöcherner Sporn (Calcar) spannt die Schwanzflughaut. Oberhalb des Sporns sind die Beine in der Regel in die Flughaut einbezogen, sie spannen die Schwanzflughaut oder falten sie zusammen.

Schwanz: Von der Bulldoggfledermaus abgesehen ist der Schwanz europäischer Fledermäuse fast völlig in die Flughaut einbezogen, die er im Flug spannt.

Flughaut (Patagium): Die Doppelmembran zwischen Schulter, Fingerspitzen und Schwanz ist – abgesehen von einem Teil der Schwanzflughaut – unbehaart und sehr dehnbar und fest.

Haare: Fledermäuse besitzen kein Wollhaar, also nur eine Haarart. An der Struktur kann der Fachmann einige Gattungen und sogar Arten erkennen. Das Bauchfell ist heller als das Rückenfell. Das Haarkleid junger Fledermäuse ist in der Regel dunkler und matter als bei alten. Farbunterschiede von Männchen und Weibchen (Dichromatismus) gibt es – anders als bei Vögeln – nicht.

Geschlechtsmerkmale: Die Brustdrüsen weiblicher Fledermäuse liegen mehr seitlich im Bereich der Achselhöhlen und sind bei Müttern gut zu erkennen. Die Zweifarbfledermaus besitzt allerdings zwei Paar Zitzen und Hufeisennasen-Fledermäuse am Unterbauch zusätzlich ein Paar Haftzitzen.
    Bei den Männchen ist der Penis stets gut sichtbar, da er nicht in den Körper zurückgezogen wird, in der Paarungszeit mancher Arten auch Hoden und Nebenhoden.

 

Jedes vierte Säugetier auf der Erde ist eine Fledermaus. Sie sind die einzigen lebenden Säugetiere, die fliegen können.

Wie alle Säugetiere haben sie ein Fell, sind Warmblütler und werden als Jungtiere von Muttermilch ernährt.

Die Tiere sind gekennzeichnet durch eine Flughaut zwischen den sehr verlängerten Fingern (außer dem kurzen, krallenbewehrten Daumen), den Hintergliedmaßen und dem Schwanz. Fledermäuse sind auch lauf- und kletterfähig. Ihre Beine sind allerdings so schwach, dass sie kaum darauf laufen können. Außer zum Fliegen benutzen sie ihre Flügel auch als Decke.

Schlaf

Für den Winter ziehen sich die meisten Fledermäuse höherer Breiten zum Winterschlaf in Schlupfwinkel zurück. Zum Schlafen hängen die Fledermäuse kopfunter an den Zehen. In dieser Haltung können die Krallen nicht abrutschen. Das liegt daran, dass die Krallen durch Sehnen gehalten werden, die sich unter dem Gewicht der Fledermaus strecken. Selbst wenn die Fledermaus einschläft, fällt sie nicht herunter.

Ernährung

Fledermäuse ernähren sich von Insekten, anderen Kleintieren oder von Früchten. Die Zwergfledermaus kann in einer Minute 300 Mücken verspeisen. Fledermäuse, die sich von Früchten ernähren (davon gibt es etwa 130 verschiedene Arten), fliegen am Tag oder in der Dämmerung aus. Die Insekten fressenden Fledermäuse stoßen im Flug hohe, für das menschliche Ohr nicht hörbare Laute aus.

Fledermäuse haben ein feines Fühl- und Hörvermögen 

Das Echo verrät ihnen, was vor ihnen liegt. Besonders die Klein-Fledermäuse senden Ultraschallwellen aus und nehmen das zurückkommende Echo wieder auf (Echolot).

Diese Ordnung umfasst...

  • Großflattertiere (Flughunde)

  • und die Fledermäuse im engeren Sinne
    (Kleinfledermäuse, Kleinflattertiere)

 

Es gibt ca. 1.000 verschiedene Fledermausarten. Zu den Kleinfledermäusen gehören unter anderem Klappnasen, Blattnasen, Hufeisennasen und Glattnasen.

Mitteleuropäische Fledermäuse, die alle zu den Hufeisennasen und Glattnasen gehören, sind Mopsfledermäuse, Langohrfledermäuse, Zwergfledermäuse, frühfliegende Fledermäuse (Abendsegler) und spätfliegende Fledermäuse sind Wasserfledermaus und Mausohr (gemeine Fledermäuse).

Zu den Fledermäusen gehören: 

Pteropodidae 

Flughunde

Rhinopomatidae

Mausschwanz-Fledermäuse

Emballonuridae

Glattnasen-Freischwänze

Craseonycteridae

Schweinsnasen-Fledermäuse

Nycteridae

Schlitznasen

Megadermatidae

Großblattnasen

Rhinolophidae

Hufeisennasen

Hipposideridae

Rundblattnasen

Noctilionidae

Hasenmäuler

Mormoopidae

Kinnblatt-Fledermäuse

Phyllostomidae

Eigentliche Blattnasen

Natalidae

Trichterohren

Furipteridae

Stummeldaumen

Thyropteridae

Amerikanische Haftscheiben-Fledermäuse

Myzopodidae

Madagassiche Haftscheiben-Fledermäuse

Vespertilionidae

Glattnasen-Fledermäuse

Mystacinidae

Neuseeland-Fledermäuse

Molossidae

Bulldoggen-Fledermäuse

Der Flughund

In Indonesien und Malaysia gilt das Fleisch der Flughunde als Delikatesse.

Dort werden diese verborgen lebenden Tiere mit großen, leuchtenden Augen und hundeähnlichem Gesicht gejagt und gegessen.

Unter den vielen verschiedenen Fledermäusen sind die 173 Arten von Flughunden am faszinierendsten. Da diese Fledermäuse sich von Blüten und Früchten, Nektar und Pollen ernähren, benutzen sie eher ihre scharfen Augen und Nasen, um Nahrung zu finden, als das Gehör und die Echoortung.

Die tropischen Pflanzen der alten Welt sind auf die früchteessenden Fledermäuse für die Verbreitung ihrer Samen und die Befruchtung ihrer Blüten angewiesen. In Westafrika z.B. verbreitet der Palmenflughund die Samen des Iroko-Baumes, der die Grundlage einer Industrie bildet, die einen jährlichen Umsatz von 100 Mio. Dollar aufweist.

Die Flughunde gehen jedoch in ihrer Zahl zurück. Auf vielen Inseln wie Guam, der Mariana-Kette, Yap, Samoa, Rodrigues und den Seychellen sind sie fast verschwunden. Die größte Bedrohung geht für diese Arten von der Zerstörung ihrer Lebensräume durch Landwirtschaft und Brennholz aus. Vor Ort werden keine oder nur wenig Schutzmaßnahmen ergriffen.

  Skiba, Reinald, Fledermäuse - Kennzeichen, Echoortung und DetektoranwendungNBB-Logo

Die Neue Brehm-Bücherei Bd. 648, 1. Aufl. 2003,
130 S.,

ISBN: 3-89432-907-6, € 22.95 / sFr 40.20
Novität in Vorbereitung - vorraussichtlicher Erscheinungstermin 01.09.2003 - Änderung vorbehalten

Die Echoortung der Fledermäuse

Schon im 18. Jahrhundert entdeckte der italienische Naturforscher Lazzaro Spallanzani († 1799), daß Fledermäuse in absoluter Dunkelheit zwar ohne Augenlicht fliegen konnten, aber mit verschlossenen Ohren die Orientierung verloren. Den Grund für diesen unerwarteten Befund fand er zeitlebens nicht heraus, da er seine Versuchstiere nicht rufen hörte.
    Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg gelang es dem US-amerikanischer Donald Griffin mit Hilfe eines neuentwickelten Ultraschallmikrofons, die Rufe von Fledermäusen hörbar zu machen. Zeitgleich konnte der niederländischer Zoologe Sven Dijkgraaf ohne Hilfsmittel die niederfrequenten Rufe einer Fledermausart wahrnehmen. Er legte den Versuchstieren Maulkörbe an und machte sie so orientierungslos. Anders als der Italiener konnte er aus seinem Befund schließen, daß Fledermäuse zur Orientierung in der Dunkelheit Rufe ausstoßen und deren Echos mit den Ohren auffangen. Wie das genau funktioniert, wird seither erforscht und in der Radartechnik nachgeahmt – z. B. beim Fischfang.

1. Aktive periodische Echoortung

Die Echoortung der Fledermäuse unterscheidet sich eigentlich gar nicht so sehr von unserer optischen Sichtweise: Während wir – wie die vielen anderen "Augentiere" auch – zur Orientierung Lichtwellen wahrnehmen, die von Objekten reflektiert werden, nehmen Fledermäuse und andere Tiere hauptsächlich zurückgeworfene Schallwellen wahr. Der entscheidende Unterschied liegt in den Quellen der Wellen: Während fast alle "Augentiere" das ständig und indirekt auch im Mondlicht verfügbare Sonnenlicht nutzen, also mit einem passiven System arbeiten, erzeugen manche "Ohrentiere" ihre Schallwellen durch Rufen selber, nutzen also ein aktives Orientierungssystem.
    Fledermäuse geben allerdings kein "akustisches Dauerlicht" ab, sondern unterbrechen ihre Ortungsrufe periodisch, um in den kurzen Pausen ihrem Echo zu lauschen. Die Schallortung funktioniert also nicht per Dauerton, sondern periodisch – quasi als akustisches Stroboskop. Je dichter diese Lautblitze auf der Zeitachse zusammenrücken, desto genauer wird das Bild, das sich eine Fledermaus von ihrer Umgebung macht. Aus diesem Grunde rufen Fledermäuse bei Annäherung an ein Beuteinsekt immer häufiger, bis die Rufserie schließlich mit einem kurzen niederfrequenten Summton unmittelbar vor dem Beutefang abbricht.
    Doch was sind das für Schallwellen, die Fledermäuse ausstoßen?

2. Ultraschall für bessere Auflösung

Schall breitet sich wellenförmig aus, seine Tonhöhe nimmt ab und wächst mit der Anzahl der Schwingungen pro Sekunde, der sogenannten Frequenz. Die Ortungsrufe der Fledermäuse sind sehr hochtonig, sie haben Frequenzen zwischen 15 kHz und 150 kHz, werden also überwiegend als sog. Ultraschall ausgestoßen. Da der Hörbereich des Menschen nur von 16 Hz bis 20.000 Hz (bzw. 20 kHz) reicht, kann er, ein gutes Gehör vorausgesetzt, nur die tiefsten Töne mancher Fledermausarten wahrnehmen – die meisten ihrer Ortungslaute hört er nicht. Andere Lebewesen mit feinerem Gehör, z. B. Hunde und Katzen, hören sie hingegen sehr wohl. Die Ultraschallfrequenzen ihrer Rufe haben also nicht den Zweck, die Fledermäuse für potentielle Beutegreifer unhörbar zu machen – Ultraschall ist vielmehr im Nahbereich das bessere Ortungssystem! Hören wir uns die Schallwellen einmal näher an:

Schallwellen unterschiedlicher Frequenzen haben im selben Medium (z. B. Luft, Wasser) unterschiedliche physikalische Eigenschaften: Ganz tiefe Töne werden von der Luft nur wenig abgeschwächt und tragen deshalb sehr weit; unterhalb des menschlichen Hörbereichs werden sie Infraschall bezeichnet, der es etwa Elefanten ermöglicht, sich über viele Kilometer hinweg zu verständigen. Ultraschall hingegen wird stark atmosphärisch abgeschwächt, er verliert sich mit zunehmender Entfernung schnell, und das gilt bei Fledermäusen doppelt: erst von der Schallquelle (ihrem Kehlkopf bzw. ihrer Nase) zum Objekt (Hindernis, Insekt) und dann für das Echo vom Objekt zum Schallempfänger (Ohren). Ultraschallsender und -empfänger funktionieren also nur im Nahbereich, dort aber haben sie einen großen Vorteil:

Extrem hohe Schwingungszahlen pro Sekunde bedeuten logischerweise extrem kurze Schwingungswellen; kurze Wellenlängen aber lösen die abgehörte Umgebung, fotografisch gesprochen, sehr viel besser auf als lange Wellen bzw. niedrigere Frequenzen: Je kleiner die Wellenlänge, desto kleinere Objekte bzw. desto feinere Objektstrukturen werden erfaßt. Zwei Beispiele mit relativ bekannten Arten machen das deutlich:
    Eine Fledermaus des freien Flugraums, der Abendsegler, ortet hart an der menschlichen Hörgrenze mit etwa 20 kHz; eine Zwergfledermaus stößt hingegen deutlich höhere Ortungsrufe von ca. 50 kHz aus. Teilt man nun die Schallgeschwindigkeit, die in Luft bekanntlich 340 m beträgt, durch 20 und 50 kHz, so erhält man 0,017 und 0,0068 m bzw. 17 und 6,8 mm. Das reflektierte Ortungsecho einer Zwergfledermaus hat also eine 2,5mal bessere Auflösung also das eines Abendseglers.

Gedehnte Schallwelle ca. 50 Hz, Wellenlänge knapp 7 mm
Eine Zwerfledermaus, die mit etwa 50 kHz ruft, kann mit knapp 7 mm Wellenlänge auch kleine Beute orten.
A = Amplitude · λ = Wellenlänge (hier: 6,8 mm) · f = Frequenz (hier: 50 kHz)

3. Entfernung und Richtung

Die bloße Erfassung eines Hindernisses bzw. Beuteinsekts und seiner Größe reicht einer Fledermaus natürlich nicht – sie braucht auch Informationen darüber, wo genau sich das Ortungsobjekt befindet:
    Da die Fledermaus den Ortungsschall selbst produziert, muß das geortete Objekt um so weiter entfernt sein, desto später das Echo ihres Rufes ihre Ohren erreicht. Als Beispiel soll eine Entfernung dienen, die sich besonders gut durch die konstante Schallgeschwindigkeit von 340 m/sek. teilen läßt: Ein Objekt in 3,4 Metern Entfernung wird vom Schall in 3,4 : 340 = 0,01 Sekunden erreicht; das Echo ist also nach genau einer fünfzigstel Sekunde bzw. 20 Millisekunden (0,02 sek.) zurück. Diese Zeit-Information setzt die Fledermaus unbewußt zu einer bestimmten Entfernung in Beziehung und "weiß" somit, wo sie entweder ausweichen oder zuschlagen muß.
    Die Richtung eines Objekts ermitteln Fledermäuse im Prinzip ebenso wie wir Menschen: Wer auf einer Straße steht, kann meist ohne Mühe erkennen, aus welcher Richtung ein Auto näherkommt oder jemand ruft; Probleme bereit aber z. B. schon die exakte Ortung eines stridulierenden Heupferdes auf einer Wiese. Auch Fledermäuse haben aus gutem Grunde zwei Ohren: Das Ohr, welches ein Echo als erstes empfängt, gibt die grundsätzliche Richtung zum Objekt an, und je geringer die Zeitdifferenz zwischen beiden "Empfängern", desto kleiner der Winkel zwischen Geradeaus- und Objekt-Richtung. Das im anderen, dem Objekt abgewandten Ohr leicht verzögert eintreffende Signal wird außerdem vom Kopf des Tieres abgeschwächt und daher leiser wahrgenommen. Trifft das Echo an beiden Ohren zur selben Zeit und mit derselben Lautstärke ein, befindet sich das angepeilte Objekt exakt in Rufrichtung.

(Fliegende Fledermaus aus RICHARZ, Klaus; LIMBRUNNER, Alfred [1992]: Fledermäuse)

Wo leben Fledermäuse ?


Fledermäuse graben weder Baue, noch errichten sie Nester.Als Schutz vor Feinden und Witterungsverhältnissen suchen sie ausschließlich bereits bestehende Quartiermöglichkeiten auf.
Dabei werden jahreszeitlich bedingt Sommer- und Winterquartiere unterschieden.Im Frühsommer suchen Weibchen  sogenannte Wochenstubenquartiere auf, wo sie ihre Jungen aufziehen.
Den Spätsommer verbringen viele Tiere in Zwischenquartieren, wo oft auch Paarungsakte vollzogen werden.
Um den Winter zu überleben, sind Fledermäuse auf frostsichere Winterquartiere angewiesen.
Innerhalb eines Jahres ist also eine starke Dynamik im Quartierverhalten der Fledermäuse festzustellen.

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Fledermäuse leben an Gebäuden

Ein typisches Fledermaushaus - hier gibt es viele Fledermäuse ! 

Mehr als die Hälfte der heimischen Fleder - mausarten sind seit altersher Mitbewohner
an und in menschlichen Bauwerken.
Je nach Art nutzen Fledermäuse im Sommer den warmen Dachboden oder im Winter den frostsicheren Keller als Unterschlupf.

Daß die Gemäuer von Fledermäusen ebenfalls als Behausung genutzt werden, fällt den menschlichen Mitbewohnern häufig gar nicht erst auf, da Fledermäuse keinen Lärm machen, wenig Platz beanspruchen und nichts anfressen oder den Gebäuden schaden.
Im Gegenteil, vielen Gartenbesitzern helfen sie, indem sie auf ihrer nächtlichen Jagd viele Schadinsekten vertilgen.


Fledermäuse leben in Felshöhlen

Viele Fledermausarten nutzen als typisches Winterquartier frostsichere Höhlen, Stollen oder Felsenkeller.
Einige Arten hängen dabei frei von der Decke herab, wobei Tautropfen auf ihrem Fell sie vor dem Austrocknen bewahren.
Andere Arten kriechen  teilweise so tief in Spalten oder Ritzen, daß man sie häufig  nicht mehr sieht.

Wichtig für alle Arten ist, daß sie in ihrem Winterquartier nicht gestört werden.
Durch Störungen wachen sie auf und verbrennen dabei wichtige Fettreserven, die sie zum Überwintern benötigen.

Eine Fledermaushöhle wie sie im Gebirge steht - nicht stören !
 


Fledermäuse leben in Wäldern

  Alter Hutewald am Dornheckensee in Oberkassel  Einige Fledermausarten verbringen das ganze Jahr oder einen großen Teil davon im Wald.

Als Sommer- oder Winterquartier werden dabei von Art zu Art verschiedene Baumarten gewählt.

Einige nutzen als Unterschlupf alte Spechthöhlen, andere benötigen Risse, wie sie z.B.durch Windwurf oder Blitzschlag an alten Bäumen entstehen.
Extrem wichtig für diese waldbewohnenden Arten ist also eine extensive Waldwirtschaft, die alten Baumbestand nicht als wertlos betrachtet.
Auch Flußauen sind ein Fledermausparadies, da diese eine hohe Insektenvielfalt kombiniert mit einer artenreichen Pflanzengesellschaft  aufweisen.
 


Skiba, Reinald
Europäische Fledermäuse
Kennzeichen, Echoortung und Detektoranwendung Bd. 648, 1. Aufl. 2003, ca. 212 S., 94 S/W-Abb., 5 Farbabb.
3-89432-907-6,
€ 24.95 / sFr 43.60 
Novität in Vorbereitung Erscheinungstermin ca.: 01.10.2003

 



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